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"Inkasso für Kommunen und Behörden – es tut sich etwas"

Trotz knapper Kassen und Ressourcen hielten sich deutsche Kommunen und Behörden bei der Zusammenarbeit mit externen Inkassodienstleistern lange zurück. Doch langsam öffnen sie sich für Kooperationen, erklärt Jürgen Borgartz, Geschäftsführer von EOS Deutschland.

Im Frühjahr 2015 hat EOS die Studie „Inkassounternehmen als Verwaltungshelfer“ veröffentlicht. Sie zeigt eine klare Zurückhaltung der öffentlichen Hand bei der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern im Forderungsmanagement. Hat sich die Situation seither verändert?
Borgartz: 2014 haben wir für diese Studie 65 Kommunen in Deutschland zum Forderungsmanagement befragen lassen, davon 32 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern. 72 Prozent der Befragten gaben an, dass sie im Forderungseinzug Optimierungsbedarf sehen. Aber nur 15 Prozent konnten sich damals vorstellen, im Forderungsmanagement mit externen Dienstleistern zusammenzuarbeiten.
Seitdem hat sich in deutschen Kommunen und Behörden einiges bewegt. Ein Grund ist die wirtschaftliche Lage: Allein die kommunalen Außenstände belaufen sich derzeit auf über 21 Milliarden Euro. Daher ist es für uns mittlerweile einfacher, mit Vertretern von Kommunen und Behörden ins Gespräch zu kommen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erörtern.

Was bedeutet das konkret?
Borgartz: Die Überzeugungsarbeit der Inkassobranche trägt erste Früchte: Immer mehr Pilotprojekte und Testphasen laufen an. Hierbei binden die Auftraggeber externe Dienstleister in der Funktion als Verwaltungshelfer ein. Anders als bei der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft leisten Inkassounternehmen in dieser Funktion nur unterstützende Aufgaben. Beispielsweise korrespondieren sie mit den Nichtzahlern oder vereinbaren Ratenzahlungen mit ihnen.

Was leisten diese Pilotprojekte und Testphasen?
Borgartz: Oftmals gehen den Projekten aufwendige Abstimmungen voraus. So gibt es Bundesländer, in denen neben den Landesdatenschutzbeauftragten auch das Innenministerium in den Entscheidungsprozess einbezogen werden muss. Zudem begegnen den Projektverantwortlichen oftmals Vorbehalte und Bedenken innerhalb der eigenen Verwaltung. So wird befürchtet, der Datenschutz sei nicht gewährleistet oder den Inkassodienstleistern würden hoheitliche Aufgaben übertragen. Das ist jedoch wie gesagt nicht der Fall. Die Kommune oder Behörde bleibt stets Herrin des Verfahrens.

Unterstützt EOS die öffentliche Hand bereits im Forderungsmanagement?
Borgartz: EOS ist im Rahmen von Pilotprojekten als Verwaltungshelfer für verschiedene Kommunen und Behörden tätig. Zu unseren Auftraggebern zählen beispielsweise ein großer Landkreis mit rund 130.000 Einwohnern sowie eine Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern.

„Sobald Kommunen und Behörden sehen, welche Erfolge die Vorreiter erzielt haben, werden sicher weitere nachziehen“, Jürgen Borgartz, Geschäftsführer EOS Deutschland

Welche Arten von Forderungen übergibt die öffentliche Hand an EOS?
Borgartz: Hierbei handelt es sich um eine Besonderheit. Im Gegensatz zu unseren privatwirtschaftlichen Auftraggebern liefert die öffentliche Hand den Forderungsgrund nicht mit. Private Dienstleister dürfen diese Informationen aus Datenschutzgründen nicht erhalten. Beispiele für typisch öffentlich-rechtliche Forderungen sind Bußgelder oder Müllgebühren.

Steht EOS damit vor einer besonderen Herausforderung?
Borgartz: Nein. Natürlich ist die Funktion des Verwaltungshelfers, bei dem wir streng nach Weisung des öffentlichen Auftraggebers arbeiten, für EOS noch eher ungewöhnlich. Eine besondere Herausforderung bedeutet dies für uns aber nicht. Für die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand haben wir – wie für andere Branchen auch – ein Team von Branchen-Spezialisten zusammengestellt. Diese bearbeiten ausschließlich Forderungen aus der öffentlichen Hand.

Wie wird sich das Outsourcing von Inkassoaufgaben an externe Dienstleister im öffentlichen Sektor entwickeln?
Borgartz: Viele Verwaltungen beobachten die Entwicklung und die Testläufe gespannt. Wenn die Vorreiter durch die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern Erfolge erzielt haben, wollen auch andere Kommunen und Behörden nachziehen. Ich bin überzeugt, dass wir die öffentliche Hand durch unsere guten Leistungen überzeugen werden und in der Zukunft immer mehr Verwaltungen die Chance ergreifen, ihre Außenstände weiter zu reduzieren.

Das Interview wurde geführt im September 2016.

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